
Diese Art von Gesichtern begleiten mich seit meiner Kreativtrainer-Ausbildung im Jahr 2019.
Eine der ersten Aufgaben damals war ganz einfach und gleichzeitig gar nicht so einfach: Wir sollten mit geschlossenen Augen mit einer Hand unser eigenes Gesicht ertasten und mit der anderen Hand zeichnen.
Nicht nach Vorlage.
Nicht kontrolliert.
Nicht mit dem Ziel, ein schönes Porträt herzustellen.
Sondern tastend, blind, unmittelbar.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass mir genau das schwerfiel. Ich habe immer wieder geblinzelt. Nach rechts und links geschaut zu meinen „Mitstreitern“ geschaut. Verglichen. Kontrolliert.
Am Ende haben wir gemeinsam auf alle Bilder geschaut. Und ehrlich, manche von denen hat etwas richitg Besonderes an sich. So ein je nais sais quo. Gesichter mit Ausdruck. Mit Eigenart. Mit einer Präsenz, die nicht gemacht wirkte.
Mein Bild gehörte nicht dazu.
Da fehlte etwas.
Heute würde ich sagen: Es fehlte das Einlassen in diesen Prozess.
Und gerade weil mein Bild damals diese Lebendigkeit nicht hatte, hat mich die Aufgabe nicht losgelassen.
Sie wurde für mich zu einer Frage:
Was entsteht, wenn ich weniger kontrolliere?
Was zeigt sich, wenn ich nicht vorher weiß, wohin es geht?
Und welche Form bekommt etwas, wenn ich mich dem Prozess wirklich anvertraue?
Genau das hat mich später weiter beschäftigt.

Diese Übung hat mir gezeigt, dass künstlerisch-kreatives Tun nicht dort beginnt, wo ich alles im Griff habe. Es beginnt dort, wo ich bereit bin, wahrzunehmen, was entsteht.
Ein Blick.
Eine Spannung.
Eine Stimmung.
Eine Eigenart.
Etwas, das sich nicht planen lässt.
Mit der Zeit ist aus dieser Faszination meine eigene Technik entstanden. Eine Form des Arbeitens, die mich bis heute begleitet und an der ich Freude habe.

Wenn ich heute eines dieser Gesichter betrachte, frage ich nicht zuerst, ob es gelungen ist.
Mich interessiert:
Was zeigt sich?
Welche Wirkung entsteht?
Was zieht meine Aufmerksamkeit an?
Wo entsteht Stimmigkeit?

Für mich beginnt genau dort kreative Wahrnehmungsarbeit.
Nicht bei der schnellen Deutung.
Nicht beim perfekten Ergebnis.
Nicht beim Versuch, alles richtig zu machen.
Sondern beim Beobachten.
Diese Gesichter erinnern mich daran, dass Lebendigkeit oft dort entsteht, wo Kontrolle ein Stück zurücktritt.
Sie zeigen nicht nur etwas von meiner Arbeit.
Sie zeigen auch einen Teil von mir:
nicht nur die Beobachterin, sondern auch die kreative Künstlerin.





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