Zeichnen statt Lesen
Bislang habe ich meine Zeit auf Sylt meist mit Lesen verbracht. Nie kam mir der Gedanke, einen Zeichenblock und meinen Bleistift einzupacken. Doch an diesem Tag war es anders. Nicht der Verstand, sondern etwas in mir verspürte das Bedürfnis, statt Worte zu lesen zu beobachten und diese Beobachtungen aufs Papier zu bringen – quasi künstlerisch mit dem Bleistift zu schreiben. Zur Zeit habe ich mehr einen Hang zum Bleistift als zu Farben. So begann ich zu zeichnen, an einem meiner Lieblingsorte. Ich saß auf einer Bank, mitten in der Natur und zwischen Feldern. Einer dieser Orte, die ich besonders liebe.
Das geweckte Interesse am Horizont
Ich begann, meine Umgebung vorsichtig einzufangen – ein Haus hier, ein paar Büsche dort, ein Zaun und im Hintergrund der nackte blaue Himmel. Es wirkte fast wie eine Schattenwand. Anfangs bemerkte ich kaum etwas Außergewöhnliches, doch während die Linien auf dem Papier entstanden, fiel mir plötzlich etwas auf – diese Linie.

Es war eine klare Trennlinie, die das Oben vom Unten, den Himmel von der Erde schied. Der Himmel selbst war an diesem Tag genauso klar wie die Linie. Und so zeichnete ich sie eine wenig prägnanter , den Druck des Bleistiftes herausfordernd. Sie hat mich in diesem Augenblick gefangen genommen. Nun war ich neugierig, Erfahrungen mit dieser Linie, auch in anderen Kontexten zu machen.

Später, am Wasser, zeichnete ich die Horizontlinie noch einmal. Dieses Mal war es wirklich eine Linie – vollkommen gerade. Manchmal durchbrochen von einem vorbeifahrenden Segelboot. Je länger ich mich auf dem Papier mit ihr auseinandersetzte, desto mehr hatte ich das Empfinden, innerlich ins Lot zu kommen. Es kam mir fast so vor, als würde ich in einem Flugzeug sitzen, das irgendwie von seinem Kurs abgekommen ist. Aber mit dem Blick auf den Horizont fand ich mich wieder, in meinem Inneren justierte sich alles neu aus und eine Klarheit trat ein.
Vielleicht ist das das Geheimnis des Meeres und seiner Horizonte: dass wir uns dabei entspannen und wieder ins Lot finden. Wir finden wieder unseren ganz eigenen Kurs, ja, der Himmel und Erde wieder in Einklang bringt.
Fazit
Und wieder einmal hat mich etwas überrascht. Zum einen mein starkes Gefühl für den Bleistift als Ausdrucksmittel, zum anderen, wie das einfache Hinsetzen, Zeichnen und Beobachten ganz neue Dinge bereithält. Vielleicht nicht immer. Aber manchmal ist etwas dabei, dass die Neugier weckt. Und du willst einfach weiter forschen.
Es lohnt sich, sich hinzusetzen und einfach zu malen oder zu zeichnen. Denn im genauen Beobachten entdeckt man Dinge, die einem vorher nie aufgefallen wären.
Und dass ich damit noch nicht aufgehört habe, versteht sich wohl von selbst. Ich bin derzeit in der Horizont-Linien-Phase 🙂
Und Du? Welches Werkzeug benutzt du gerade, um dich auszudrücken? Was hast du dabei entdeckt?
Anmerkung: Es geht nie dabei um ein perfektes Werk im streng künstlerischen Sinne. Es geht um deine Innenwelt und ja, auch ein wenig um dein künstlerisches Geschick:-)
nachträglicher Gedanke am 21.8.2025: So wie der Horizont mir Balance schenkt, schenkt meine innere Klarheit Balance dem Außen – ein Spiegel, in dem Innen und Außen harmonisch zusammenfinden.





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